Haunted [FSK18]
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Kapitel 3 - Episode 12
von Alina am 04.08.2026 07:10Kapitel 3
10. Dezember 2013
Malte verlässt das Verwaltungsgebäude der Universität. Die Arbeit ist für heute erledigt.
Es hat wieder ein wenig geschneit – der frische Schnee knirscht unter seinen Schuhen. Während er sich langsam der Haltestelle nähert, hört er Lärm. Eine Gruppe Halbstarker pöbelt vorbeigehende Leute an. Als er das sieht und obendrein die Polizei anrücken sieht, da beschließt er diesem Ärger aus dem Weg zu gehen und läuft lieber eine Haltestelle weiter.
Nach wenigen Minuten kommt er dort an. Den Geschäften am Straßenrand sieht man an, dass es langsam auf Weihnachten zugeht. An der Haltestelle muss er etwas länger warten. Die erhoffte frühe Straßenbahn hat er um wenige Augenblicke verpasst und innerlich ärgert er sich schon dass er sich entschieden hat, zur nächsten Haltestelle zu laufen. Eigentlich könnte er bald zu Hause sein. Und vielleicht wartet ja auch schon Eli mit einer Zigarette auf ihn.
Er streicht sich den Schnee aus den Haaren. Wieder Schnee – tatsächlich hat es schon wieder angefangen zu schneien. Er war so in Gedanken versunken, dass er es nicht sofort bemerkt hat.
Ein paar Minuten später fährt endlich die Straßenbahn vor. Er klopft den Schnee aus seinem Mantel und steigt ein. Vor ihm eröffnet sich das übliche Bild: alles ist voll. Feierabendverkehr – was hatte er auch anderes erwartet? Nach kurzem Umschauen stellt er fest dass wirklich kein einziger Platz mehr frei ist und er stellt sich in die Nähe der Tür. Wenige Minuten später hält die Bahn wieder an, ein paar Leute steigen aus, ein paar Leute steigen ein, das Übliche eben. Die Bahn fährt weiter und in der Zwischenzeit hat sich draußen ein richtiges Schneegestöber entwickelt.
An der nächsten Haltestelle wird es richtig voll. Malte schaut sich erst um und lässt sich in eine Ecke drängen. Dann aber drängelt er sich wieder zum Gang durch und geht ein Stück weiter. Hinten im Wagen sitzen und stehen weniger Fahrgäste.
Er schaut sich nach einen Sitzplatz um und sein Blick streift einen älteren, offensichtlich obdachlosen Mann. Der redet mit sich selbst und kramt in einem alten und von aussen sehr schmutzigen Einkaufsroller. Malte verzichtet, sich in die Nähe des Mannes setzen zu wollen. Aber der Alte sieht auf und als er Malte erblickt, da bleibt sein Blick an ihm hängen. Es fällt Malte auf und er weicht dem starrenden Blick des Alten aus. Aber er spürt, dass ihn der Mann weiterhin fixiert. Der Alte hat den Blick verengt und schaut Malte mehr als misstrauisch an. Malte ist das so unangenehm, dass er weiter im Gang durchtritt. Ein anderer Fahrgast hat diesen Blick des Alten ebenfalls gesehen und angefangen, Malte genauso prüfend anzublicken. Malte geht den Gang weiter, bis er vor weiteren neugierigen Blicken sicher ist und er atmet erleichtert aus.
Kurz bevor sie die vorletzte Haltestelle erreichen, stoppt die Straßenbahn abrupt. Malte muss sich an einer Stange festklammern um nicht hinzufallen. Er schaut sich um und merkt, dass es den anderen Fahrgästen genauso geht wie ihm. Ratlosigkeit zeichnet sich in den Gesichtern ab, ein Getuschel bricht aus. Einige Sekunden später knackt es aus den Lautsprechern: "Wir können leider nicht weiterfahren. Vor uns gibt es eine Behinderung auf der Strecke. Zwei Autos haben sich verkeilt, wir bitten um Ihr Verständnis. Sie können..."
Malte hört schon nicht mehr zu. Nachdem die Türen freigegeben werden, öffnet er sie und beschließt das letzte Stück zu laufen.
Etwa zehn Minuten später kann er seinen Plattenbau schon sehen und beschleunigt seinen Schritt. Vorfreude brennt in ihm – er hofft Eli vor seinem Haus vorzufinden. Doch als er dort ankommt, kann er sie nirgends entdecken. Er geht langsam den Weg zum Gebäude entlang und hält Ausschau nach ihr. Die Tür kommt immer näher und er denkt sich, dass sie doch hier irgendwo sein muss. Die Bank sieht sogar aus, als hätte dort jemand gesessen – im frischen Schnee sind zwei ausgetretene Zigaretten zu erkennen. Er schaut sich weiter um und dreht sich im Kreis, in der Hoffnung sie irgendwo auszumachen. Da sieht er Fußabdrücke, die zurück ins Haus führen.
Er folgt den Spuren zur Tür und betritt das Wohngebäude. Er geht hoch zu seiner eigenen Wohnung und bleibt einen Augenblick nachdenklich vor seiner Tür stehen. Er öffnet die Tür nicht und beschließt dann noch weiter hinaufzugehen, zu ihr.
Oben angekommen steht er wieder einen Moment nachdenklich im Flur herum. Hier ist alles wie ausgestorben, man hört nicht einmal die üblichen leisen Geräusche aus den Wohnungen. Kein Licht dringt aus den Türritzen nach draußen.
Er schaut auf die Tür, als würde er erwarten dass sie sich gleich automatisch öffnet und Eli hinauskommt. Seine Hand zuckt kurz zur Klingel. Schläft sie vielleicht schon? Seine Hand hält inne. Aber um diese Uhrzeit? Es ist doch noch so früh. Er lauscht einen Augenblick und hofft, etwas aus der Wohnung zu hören. Ist sie vielleicht weg? – Was stellt er sich eigentlich so an? Sie wird ihn schon nicht köpfen, wenn er klingelt. Sein Zeigefinger tippt kurz und dezent die Klingel an. Dann lauscht er angestrengt.
Während er lauscht, hört er absolut nichts. Nach seinem Klingeln dauert es einige Augenblicke, dann öffnet sich die Tür knarrend. Eli steht im Türrahmen, im fahlen Licht des Flurs kann er sie erkennen. Hinter ihr in der Wohnung ist alles stockdunkel. Sie lächelt ihn an. "Hallo."

Kapitel 2 - Episode 11
von Alina am 28.07.2026 10:22
Nach einigen langen Augenblicken sagt sie: "Man kann es erdulden, oder... man muss weggehen" – das scheint eine Antwort zu sein, mit der sie einigermaßen zufrieden ist. Sie sieht erleichtert aus, dass sie überhaupt etwas über die Lippen gebracht hat.
Malte wird aus ihren Worten nicht gerade schlau. Er schaut sie traurig an. "Ist dir das denn schon mal passiert, dass du an solche Spinner geraten bist?"
Sie starrt vor sich hin und zuckt mit den Schultern. Dann sagt sie: "Ja, das ist mir schon passiert... und es ist schlimm." Sie schweigt einen Moment. "Es tut weh... hier drin", sagt sie und zeigt auf ihre Brust.
"Das tut mir leid." Er meint es ehrlich. "Wenn dieser Kerl wieder so etwas macht, sollten wir zur Polizei gehen..."
Sie zuckt zusammen. "Nein, keine Polizei, bitte nicht!" Panik spiegelt sich in ihrem Gesicht.
Er ist verwirrt wegen dieser, aus seiner Sicht, überzogenen Reaktion. Er zieht sie wieder an sich heran und versucht sie zu beruhigen. "Ich will nur nicht, dass du hier weg musst", sagt er mit gedämpfter Stimme.
Sie nickt leicht. Aber er spürt, dass sie nun wirklich beunruhigt ist. Sie kuschelt sich an ihn. "Versprich bitte, dass du nicht die Polizei rufst."
Ein gutmütiges Lächeln zieht sich über sein Gesicht. "Wenn du es nicht willst, dann werde ich das nicht tun." Er weiß, dass ihm dieses Zugeständnis seltsam vorkommen sollte. Doch er entscheidet sich, keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden.
Sie atmet aus und entspannt sich wieder etwas; mit jedem Atemzug wird ihr Atem spürbar ruhiger.
Seine Hand streichelt ihren Rücken hinab, ihre Wärme lässt den Herbstabend fast so warm erscheinen wie einen Frühlingstag.
"Ich würde gerne Musik hören", sagt sie plötzlich und recht überraschend, bleibt aber trotzdem an seiner Schulter liegen.
"Okay", sagt er und wartet ab, was passiert.
"Hast du Musik?", fragt sie nach ein paar Sekunden. Er lächelt sie an. Dann kramt er mit der freien Hand einen Moment in seiner Tasche und zieht einen MP3-Player heraus, den er ihr in die Hand legt. "Hier, bitteschön."
Sie schaut das Gerät etwas misstrauisch an. "Was ist los?", fragt er, ein wenig verwundert über ihre Reaktion.
Sie nimmt das Gerät an sich bevor es zu sehr auffällt, dass sie keine Ahnung davon hat wie es funktioniert. Sie schluckt und dreht das Gerät in ihren Händen. Sie sieht dabei sehr unbeholfen aus.
Er beobachtet sie dabei und wieder ist er leicht verwundert und ein bisschen amüsiert. Er findet es aber irgendwie niedlich – und sagt nichts, um ihr die Chance zu geben die Funktion des Gerätes selbst herauszufinden.
"Es ist so... klein", sagt sie, eher zu sich selbst. Dann drückt sie vorsichtig alle sichtbaren Tasten und wartet jeweils ein paar Sekunden, ob etwas passiert. Die Ohrenstöpsel hat sie natürlich noch nicht ins Ohr gesteckt. Es wird ihr peinlich als nichts geschieht. Die Situation wird zunehmend unangenehmer – das spürt auch er.
Er greift kurz nach ihrer Hand und drückt den Play-Knopf solange, dass sich das Gerät erst einmal einschaltet. Dann müssen sie einen Augenblick warten.
Sie nickt dankbar und hört dann dieses leise, metallische Quäken aus den Ohrstöpseln. Sie wundert sich zunächst und hört dann ein paar Sekunden zu. Schließlich lächelt sie ihn unsicher an und ringt sich ein "Das hört sich schön an" ab – dabei klingt es ganz offensichtlich schrecklich für beide.
Er lächelt zurück und er ist ebenfalls verunsichert. Ihm ist nun klar dass sie einfach nicht weiß, wie diese Art von Geräten funktionieren. Und er möchte sie nicht in Velegenheit bringen.
Er nimmt einen Stöpsel, streicht ihr die Haare zur Seite und versucht, ihn vorsichtig in ihrem Ohr zu platzieren – was ihm leider nicht so unauffällig gelingt, wie er gehofft hatte.
Sie zuckt erst zurück, als er ihren Kopf so intim berührt. Dann aber merkt sie, dass es mit der Musik zu tun haben muss und er ihr etwas zeigen will. Sie hält still und wartet misstrauisch ab. Dann hört sie die Musik auf einmal laut und deutlich. Ein Grinsen huscht über ihr Gesicht. Andächtig hört sie zu, ohne jede Regung.
Während sie der Musik lauscht – es ist der Song "Monster", von der Band "Skillet" –, beobachtet er sie und wartet auf eine Reaktion die ihm zeigt, ob es ihr gefällt oder ob er lieber etwas anderes auswählen soll.
Sie hört nur zu und schaut ab und zu etwas unsicher zu ihm herüber. Mit jedem Augenblick sieht sie sogar unsicherer aus, versucht aber tapfer zu lächeln. Als ihr Lächeln etwas zu künstlich wird, ahnt er, dass vielleicht etwas nicht stimmt.
"Ist das okay, oder möchtest du lieber etwas... Ruhigeres hören?", fragt er und streichelt dabei wieder sanft über ihre Schulter.
Sie schaut verwirrt und kann nicht sprechen. Die Musik dröhnt laut in ihrem Kopf.
Er greift noch einmal nach ihrer Hand und pausiert den Player, dann wiederholt dann seine Frage.
Sie erschrickt leicht und schaut ihn dann verwirrt an. "Das ist... sehr spezielle Musik", sagt sie nicht ohne Neugier. Es klingt nicht abwertend.
Er lacht. "Ja, das ist harte Musik."
"So etwas habe ich schon mal gehört, aber ich... ich...", sie stockt einen Moment und sagt dann ehrlich: "Ich nenne das nicht Musik."
Er grinst breit. "Was ist denn für dich Musik?"
Sie schaut ihn skeptisch an und überlegt dann fieberhaft. Sie wirkt etwas überfordert. Dann zuckt sie mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Ich kann es dir sagen, wenn ich es höre." Sie scheint wirklich kein grosser Fan von Musik zu sein.
"Hm, gut", er lächelt sie an und sagt: "Fällt dir kein Bandname ein, oder irgendein Musiker... oder so?" Er ist auch weiterhin zwischen Verwirrung und Erheiterung hin- und hergerissen.
Sie schaut auf den Player, dann wieder zu ihm. Sie ist peinlich berührt – sie spürt, dass sie sich hier als Außenseiterin outet, und das scheint ihr nicht zu passen. "Im Moment gerade nicht..." Sie lächelt ihn um Gnade ersuchend an und beißt sich vor Nervosität auf die Unterlippe.
Er fährt ihr sanft durchs Haar. "Egal, gibt ja auch Wichtigeres."
Sie nickt und lehnt sich schnell wieder an ihn. Ihr Atem ist wieder unruhig geworden – ihm fällt auf, dass diese kleine Situation sie auch aufgewühlt hat, wie auch die Sache mit Kevin.
Er drückt sie wieder an sich. Seine Arme liegen auf ihrem Rücken, während er versucht das Thema zu wechseln.
Erst als sie ein paar Mal tief durchatmet, wird sie wieder ruhiger. Seine Berührungen erleichtern die Situation, denn sie signalisieren ihr dass er sich nicht über sie lustig macht.
Sein Blick wandert gen Himmel. Sie merkt, wie sich sein Brustkorb langsam hebt und wieder senkt. "Hm, kaum ein Stern zu sehen heute... schade." Mit beissender Ironie denkt er sich: "Etwas Besseres fällt dir nicht ein? Du bist ein echter Held!"
Sie hingegen schaut dankbar zum Himmel, studiert ihn ebenfalls ein paar Augenblicke und sagt dann:
"Ja, schade... ich liebe es, wenn die Sterne leuchten." Im Gegensatz zu ihm scheint ihr das Gesprächsthema sehr zu gefallen. Er ist etwas erleichtert als er merkt, dass es ihr nicht zu klischeehaft vorkommt.
Noch einen Moment betrachten sie gemeinsam den Himmel. Dann haucht sie ihm einen Kuss auf die Wange und steht auf. Dann geht sie die Treppen hinauf und verschwindet im Gebäude.

Kapitel 2 - Episode 10
von Alina am 27.07.2026 06:55
Malte schaut zu Kevin herüber und wartet dessen Reaktion ab. Kevin grinst bis über beide Ohren und nickt zustimmend. "Super, so mag ich das", sagt er triumphierend und steckt das Messer wieder ein. Er beobachtet Malte dabei aber weiterhin scharf. "Du bist in Ordnung, Süße, wir feiern bald mal..." Dann steckt er die Hände in die Taschen und geht wie ein stolzer Pfau an den beiden vorbei, ebenfalls in Richtung Haltestelle – nicht ohne sich noch einmal umzudrehen und Malte einen abfälligen Blick zuzuwerfen. "Opfer!", zischt er, als er an ihm vorbeigeht und ihn noch mit der Schulter anrempelt.
Malte ist überrascht, dass Kevin so einfach nachgibt. Nach einem Moment lässt er sich auf die Bank fallen und schweigt. Eli steht noch vor der Bank. Sie hat angefangen zu zittern. Sie kann sich gerade nicht bewegen, ein paar Tränen laufen ihre Wangen herunter. "Das ist so... gemein", stammelt sie, ihre Stimme klingt kratzig.
Malte steht wieder auf als er das sieht und kommt näher. Er legt die Hände auf ihre Schultern und versucht sie anzulächeln. Seine Stimme zittert leicht. "Er ist jetzt weg..."
Sie lehnt ihren Kopf an seine Brust und nickt. Dann geben ihre Knie nach, und sie lässt sich neben ihn auf die Bank plumpsen. Sie sieht mit tränennassen Augen zu ihm auf. Er setzt sich zu ihr, legt seinen Arm um sie und streichelt sanft ihre Schulter.
Sie lehnt den Kopf dankbar an seine Schulter und in diesem Moment sieht sie geradezu erbarmungswürdig aus. "Er hat so schlimme Sachen gesagt...", flüstert sie leise. "...das darf er nie wieder tun. Du bist kein Opfer, niemals."
Malte ist bemüht, so ruhig wie möglich zu wirken. Er will sich nicht noch Sorgen um sich selbst machen und streichelt über ihr langes Haar. "Es ist alles gut."
Sie schluckt und zieht die Nase hoch. Seine Anwesenheit scheint sie wirklich zu beruhigen. Er denkt einen Moment nach. "Er darf Dich nicht so behandeln..." Seine Stimme ist dabei so leise, dass er fast flüstert.
Sie reagiert nicht darauf. Stattdessen scheint sie nachzudenken. Dann fragt sie leise: "Hattest du auch Angst?"
Vorsichtig und behutsam zieht er sie noch ein bisschen näher an sich heran. "Mhm...", murmelt er zustimmend, obwohl er am liebsten "Nein" gesagt hätte – aber er kann sie einfach nicht belügen.
"Wenn er Dir Angst macht, dann...", sie verstummt und kuschelt sich noch näher an ihn heran. Ihre Haare fallen über die Vorderseite seines Oberkörpers. Sie riechen seltsam, aber nicht unangenehm. Es ist ein Duft, den er noch nie wahrgenommen hat. Sie vollendet den Satz nicht mehr und einige Augenblicke vergehen.
Sein Atem normalisiert sich wieder. Eli hört, wie sein Herz langsamer schlägt. Mittlerweile genießt er nur noch ihre Anwesenheit, die vorherigen Ereignisse scheinen schon fast vergessen. Er hat sie sehr höflich und nett, aber distanziert kennengelernt. Nun ist sie so anders. Er ist beinahe etwas überfordert, aber er hält sie nur zu gern im Arm. Er will sie festhalten, so lange sie es zulässt.
Sie bleibt so liegen, an ihn gelehnt und dann hört er sie fragen: "Hast Du noch eine Zigarette? Meine sind leider ausgegangen..."
Als er das hört, muss er kurz lachen und löst die Umarmung. "Aber sicher", kramt er kurz in seiner Seitentasche und zieht die Schachtel heraus.
Sie setzt sich langsam auf und nimmt eine Zigarette aus der Packung, genauso vorsichtig wie vorhin, und zündet sie an. Er nimmt sich ebenfalls eine und steckt sie sich sofort an. Dabei schaut sie ihn an – und es sieht aus, als würde in ihrem Blick tiefe Dankbarkeit mitschwingen, vielleicht auch Sorge und Mitgefühl. Er kann es nicht ganz genau deuten.
Er lächelt sie ebenfalls wieder an. Mittlerweile wirkt er wieder um einiges entspannter. Sie selbst ist nicht so entspannt, was für ihn allerdings auch kein Wunder ist. Seiner Meinung nach ist sie viel hilfloser wie er. Natürlich hat sie also auch mehr Angst als er. Sie zieht etwas zu tief an der Zigarette, so als müsste sie damit etwas verdrängen.
Sie raucht also in tiefen Zügen und für ihn sieht das nicht besonders entspannt aus. Sie wirkt dabei nachdenklich, als würden Bilder vor ihrem inneren Auge ablaufen.
Er legt seine Hand auf ihren Rücken, fährt langsam hoch und wieder herunter. "Was ist los?", fragt er und schaut sie fragend an.
"Ich will nicht wieder hier weggehen müssen", sagt sie leise und lehnt sich wieder an seine Schulter.
Seine Hand ruht nun wieder auf ihrer Schulter und streichelt sie sanft. Vorsichtig drückt er sie an sich. "Warum solltest Du weggehen müssen?", fragt er etwas verwundert. "Wegen diesen Kerlen?"
Sie schaut zu ihm hoch und will etwas sagen, doch es kommt nicht über ihre Lippen. Stattdessen schaut sie ihn prüfend an. "Ich... ich weiß nicht... es passiert immer wieder." Ihre Stimme klingt etwas hilflos, sie sucht nach Worten.
Seine Stirn legt sich in Falten. "Du kannst es mir ruhig erzählen, ich..." Doch er merkt, dass sie nicht darüber sprechen mag, und verstummt wieder. Er bohrt nicht nach.
Er lächelt sie an. "Es ist okay, wenn Du nicht darüber reden möchtest, ich will Dich nicht dazu zwingen."

Kapitel 2 - Episode 9
von Alina am 26.07.2026 06:49
Eli schnippt die Zigarette auf den Fußweg. Dabei fällt ihr Blick auf die Haustür – dort steht der Junge, der vorhin zum Essen musste. Die Tür fällt gerade hinter ihm zu, er ist eben erst herausgekommen. Er kommt näher und schaut die beiden an. Ihr Atem wird wieder unruhiger. Vom Geräusch der Haustür und ihrem schnelleren Atem alarmiert, dreht Malte den Kopf in Richtung der Tür. Der Junge mit dem Namen Kevin baut sich vor ihnen auf und schaut abwechselnd beide an.
"Findest Du das cool, unser Revier zuzumüllen?", fragt er Eli mit scharfem Ton und schaut dabei auf den noch qualmenden Stummel. Und sie starrt durch ihn hindurch.
Malte schaut ihn etwas fassungslos an. Dieses Mal ist er nicht so entspannt wie beim ersten Treffen. Zuerst schaut er zu Kevin, dann zu ihr.
Sie sieht sehr unglücklich und traurig aus. Aber sie sagt nichts und rührt sich auch nicht. Kevins Blick liegt jetzt vollständig auf Eli und Malte beachtet er gar nicht mehr.
Sein Verhalten macht Malte wütend. Es ist so offensichtlich, dass dieser Idiot Streit sucht. Und ihm ist anscheinend jeder Grund recht. "Dein Revier? Bist Du ein Hund oder was?", bricht es aus Malte heraus.
Kevin schaut nun wütend zu ihm herüber. "Wer redet denn mit Dir, Du Arsch? Halt die Klappe, wenn ich mit meiner Süßen rede", schnauzt er ihn an und muss dann bei seinen eigenen Worten grinsen.
Eli atmet tief aus. "Das ist Kevin", sagt sie leise, wie eine Feststellung.
Malte kann sich ein Lachen nicht verkneifen. "Deiner Süßen?" In seinem Kopf überschlagen sich die Gedanken – warum geht er nur auf diese dämliche Provokation ein? Und ist es nicht klar, dass dieser Idiot auch noch Kevin heißen muss? Dieser freche Kerl erfüllt wirklich jedes Klischee.
Kevin ist abgelenkt, auch weil er seinen Namen gehört hat. Er grinst und nickt Eli zu. "Du kennst sogar meinen Namen. Das ist cool, Baby..."
Dann wendet er sich wieder Malte zu. "Ja, was dagegen, Du Schwächling?" Er sieht wirklich wütend aus wenn er mit Malte redet, auch wenn er längst nicht mehr so sicher wirkt wie damals, mit seinen zwei Freunden im Rücken.
Malte schaut zu Eli herüber, dann zur Tür. Er möchte, dass sie hineingeht. Er mustert Kevin wieder und versucht ruhig zu wirken, während sein Herz wie verrückt schlägt.
Da Malte nichts erwidert, wendet sich Kevin wieder Eli zu. "Los, steh' auf, heb' den Müll auf und entschuldige Dich. Dann ist alles okay..."
Noch sitzt Eli nur da. Sie rührt sich nicht und starrt weiterhin nur vor sich auf den schmutzigen Boden.
Malte atmet einmal tief durch, dann steht er auf. Er will keine direkte Auseinandersetzung, er hasst sogar jede Form von Gewalt – und trotzdem hat er das Gefühl, sie beschützen zu müssen. Er wendet sich ihr zu. "Komm, wir gehen 'rein."
"Hey, was hast Du vor?", schreit Kevin ihn an. "Wenn ich was nicht leiden kann, dann sind das so Opfer wie Du, die das Maul aufreißen." Er spuckt Malte dabei an, als er ihn so anschreit. Und plötzlich hat er ein Klappmesser in der Hand!
Eli sieht Malte traurig an und sagt leise. "Siehst Du? Es gibt nichts Schlimmeres..."
Malte wischt sich den Speichel aus dem Gesicht und schaut Kevin an. "Weiß Deine Mutter eigentlich, was Du hier treibst?" Das Messer in Kevins Hand ist ihm noch gar nicht aufgefallen; sein Blick fällt erst jetzt darauf. Und dann schaut er schockiert in Elis Richtung. Man kann sehen, was er denkt: Scheiße!
"Lass meine Mutter aus dem Spiel, Alter", zischt Kevin böse.
Eli steht langsam auf und geht ganz ruhig zu dem Stummel, der inzwischen erloschen ist. Sie hebt ihn auf und wirft ihn mit einer müden Bewegung in den Mülleimer. Dann dreht sie sich um und sagt leise: "Entschuldige bitte, Kevin."

Kapitel 2 - Episode 8
von Alina am 25.07.2026 07:56
Mittlerweile bedeutet ihm das tägliche Ritual sehr viel; die Enttäuschung ist immer groß, wenn er zurückkommt und sie nicht da ist. Heute aber ist sie da und er bleibt kurz vor ihr stehen. "Hi", sagt er lächelnd und betrachtet sie einen Augenblick.
Sie klingt erleichtert, als sie seinen Gruß erwidert. "Hallo." Sie rückt demonstrativ ein Stück auf der Bank zur Seite.
Er setzt sich zu ihr. "Ist alles in Ordnung bei Dir? Du wirkst ein bisschen mitgenommen." Sein Blick fällt besorgt auf sie. Auch heute ist es schon dunkel und diesig, doch es regnet nicht. Die Luft ist kalt und feucht. Sie atmet kurz durch und schaut in Richtung der Haltestelle, die jetzt wieder verlassen daliegt.
"Alles in Ordnung", sagt sie leise und es klingt, als wolle sie sich das selbst weismachen.
Er schaut ebenfalls kurz zur Haltestelle hinüber, in der Hoffnung irgendetwas zu entdecken. Da er nichts sehen kann, wandert seine Aufmerksamkeit zurück zu ihr. "Bist Du sicher? Du klingst nicht besonders überzeugt."
"Weißt Du noch wie Du einmal gesagt hast, dass Du schlecht von jemandem behandelt wirst, nur damit sich der andere besser fühlt?", fragt sie unvermittelt und schaut ihn fragend an. Sie sieht blass und etwas müde aus – was bei ihr allerdings nichts Besonderes zu sein scheint. Sie wirkt auf ihn oft genauso wie heute.
Er nickt ihr zu, schweigt aber und holt eine Zigarettenpackung aus seiner Tasche. Er hält sie ihr offen hin. Sie schaut ihn dankbar an und nimmt vorsichtig eine Zigarette aus der Packung, ohne ihm diese abzunehmen. Dann zündet sie sie an, starrt vor sich ins Leere und sagt: "Ich glaube, so etwas ist mir eben auch passiert..."
Er zündet sich zuerst seine eigene Zigarette an, bevor er etwas erwidert. Er schaut in die Dunkelheit des Parks hinaus, ohne sich Eli zuzuwenden. Dann fragt er sie, was passiert ist.
"Nur ein paar Idioten... sie waren harmlos." Sie merkt, dass sie ihn zitiert, und lächelt dabei.
"Oh Mann, diese pubertierenden Spinner." Er seufzt einmal laut. "Ich hoffe, sie bleiben so harmlos." In seiner Stimme schwingt Besorgnis mit.
"Du brauchst dir keine Sorgen zu machen", sagt sie wie selbstverständlich. Dann schaut sie ihn plötzlich besorgt an. "Hast Du Angst vor ihnen?"
Er ist über ihren Blick einen Augenblick verwundert, dann muss er lächeln. "Nicht um mich", sagt er etwas leiser.
"Ich habe auch Angst", sagt sie, als wäre das nichts Besonderes. Für ihn klingt es seltsam unlogisch, er kann es nicht recht einordnen.
Für wenige Augenblicke kann er die Verwunderung in seinem Gesicht nicht verbergen. Er denkt, dass sie vielleicht noch unter einem leichten Schock steht. Er sieht sie kurz skeptisch und prüfend an und hat nicht den Eindruck, dass sie unter Schock steht. Irgendwie bleibt sie ihm ein Rätsel.
Sie schaut ihn wieder auf diese seltsame Art an. "Ich habe auch immer Angst, dass Du von der Arbeit kommst und wieder traurig bist... wegen deinem Chef, weißt Du?"
Als er das hört, muss er wieder lächeln. "Das ist sehr lieb von Dir." Er schweigt einen Moment. "...aber deswegen musst Du dir wirklich keine Sorgen machen."
"Warum nicht? Ist er tot?", fragt sie. Sie lächelt dabei nicht, die Frage scheint ihr voller Ernst zu sein.
Er schaut sie ziemlich perplex an. "Nein!" Es bricht beinahe harsch aus ihm heraus – mit dieser Reaktion hat er einfach nicht gerechnet. Dann fängt er sich wieder und redet ruhig weiter. "Es gibt wirklich Schlimmeres als das. Du musst dir deswegen keine Sorgen um mich machen." Er schafft es, sie wieder anzulächeln.
Sie überlegt und sie kann sich ihrerseits seine Reaktion nicht ganz erklären. Sie schweigt für einige lange Augenblicke. "Ich finde nicht, dass es etwas Schlimmeres gibt", sagt sie recht überzeugt und starrt dabei geradeaus, auf den Boden vor der Bank.
Er schaut sie weiter verwundert an. "Natürlich gibt es das... sogar sehr vieles." Dann schweift sein Blick wieder in die Ferne und verliert sich in der Dunkelheit der Nacht.

Kapitel 2 - Episode 7
von Alina am 24.07.2026 08:14Kapitel 2
11. November 2013
Sie treffen sich von nun an noch häufiger draußen, um miteinander zu rauchen. Ein Ritual entsteht: kommt Malte abends von der Arbeit heim, ist es meist schon dunkel. Regnet es nicht, setzt er sich zu Eli auf die Bank und sie rauchen gemeinsam eine Zigarette. Regnet es, steht sie auf sobald er an der Bank vorbeikommt, und beide stellen sich unter das Vordach des Eingangs zum Plattenbau.
Manchmal unterhalten sie sich über unwichtige Dinge, manchmal schweigen sie auch nur und einzig das Ausatmen des Rauchs unterbricht die Stille.
Vor einigen Tagen erzählte Eli ihm, dass sie dort oben ganz allein wohnt. Malte hatte direkt danach gefragt, aber die Antwort verblüffte ihn dann doch. Er hatte sich schon öfter gefragt, wer sonst noch in der oberen Etage wohnen mag.
Irgendwann war ihm eingefallen dass er in einem Infobrief für Mieter gelesen hatte, die oberste Etage stünde fast komplett leer. Als er nach Elis Eltern fragte, erwiderte sie nur knapp dass diese tot seien. Beide Antworten reichten ihm für diesen Abend erst einmal – er wollte sie nicht weiter deprimieren. Sie selbst wirkte aber davon kaum aus der Fassung gebracht.
Es ist gerade dunkel geworden, als Eli die Treppe des Wohnhauses hinuntersteigt. Sie spürt das Etui in ihrer Tasche und freut sich schon auf die Zigarette. Ihre Gedanken wandern zu Malte. Sie muss sich eingestehen dass sie sich mittlerweile darauf freut, mit ihm zusammen zu rauchen – so wie es inzwischen fast jeden Abend geschieht. Manchmal sitzt sie allein auf der Bank, und niemand kommt; dann denkt sie, er besucht wohl noch Freunde oder ist irgendwo in der Stadt unterwegs und geht vielleicht aus.
Manchmal blickt sie zu seinem Fenster hoch und sieht bereits Licht brennen – dann hat er wohl schon Feierabend gemacht, während es draußen noch hell ist. Sie fragt sich, was er wohl den ganzen Tag macht und wie sein Leben aussieht. Und sie fragt sich, warum sein Leben sie überhaupt interessiert. Das ist ihr noch nie passiert – Menschen interessieren sie normalerweise nicht.
Sie weiß, dass sie kein Mensch ist wie die anderen. Doch seltsamerweise kennt sie auch niemanden, der so ist wie sie – nicht mehr. Sie leidet nicht darunter, wie sie es bei einsamen Menschen beobachtet – aber es ist trotzdem ein seltsames Gefühl. Seit ihr Vater tot ist, hat sie niemanden mehr, mit dem sie sich über ganz bestimmte Themen unterhalten kann. Aber sogar das ist schon lange her. Und ihr Vater ist ohnehin nicht besonders gesprächig gewesen.
Wie auch immer – seltsamerweise mag sie Malte trotzdem gern. Sie verbringt gern Zeit mit ihm, auch wenn sie oft nur miteinander schweigen. Vielleicht mag sie ihn sogar gerade deswegen.
Als sie auf den Weg vor dem Haus tritt, fallen ihr die drei Jugendlichen wieder ins Auge. Ihre Augen verengen sich und ein Kribbeln macht sich in ihrer Magengegend breit. Trotzdem geht sie langsam zu der Bank und setzt sich behutsam hin.
Die drei lassen nicht lange auf sich warten und kommen näher. Als sie sie erreichen, grinsen sie; zwei setzen sich links und rechts neben Eli, einer bleibt vor ihr stehen. Ihr Blick ist auf den Jungen vor ihr gerichtet, aus den Augenwinkeln beobachtet sie die anderen beiden.
"Na Süße, was geht?", sagt der Junge vor ihr.
"Nichts", sagt sie langsam und gedehnt.
Die anderen beiden rutschen fast gleichzeitig so nah an sie heran, dass sich ihre Körper bereits berühren. Sie sieht den Jungen vor sich grinsen und schaut ihn kalt an, ohne jede Regung. Das verunsichert ihn kurz, doch er fühlt sich zu überlegen um sich davon beirren zu lassen.
"Hast du Lust auf 'ne Party? Nur wir vier...", sagt er provokant grinsend.
Sie überlegt. Sie kann sich nicht vorstellen, dass sie das ernst meinen.
"Nein, ich warte lieber hier", sagt sie gleichgültig.
Die drei fangen gleichzeitig an zu kichern, schauen sich an und nicken. Der Junge rechts neben ihr sagt: "Och komm, Baby, du wirst sehen, es gefällt dir." Dabei legt er eine Hand auf ihren Oberschenkel.
Sie rührt sich nicht. Sie spürt, wie Erregung in ihr hochsteigt und sie ist nicht sicher ob sie sich beherrschen kann. Eine Vorfreude wächst in ihr – sie kann das Blut dieser drei Gestalten schon riechen, so nah sind sie ihr.
Doch sie erinnert sich an das letzte Desaster, an ihre letzte Bleibe die sie verlassen musste, weil sie sich nicht beherrschen konnte und ihren Hunger in dem Haus gestillt hat, welches sie damals bewohnte. Das soll ihr nicht wieder passieren.
"Nein, ich will nicht", sagt sie ungerührt und ohne jede Angst – was die drei jedoch nicht wahrnehmen.
Der Junge links legt den Arm um sie und streichelt ihr Haar. Er tut es nicht besonders sanft, sondern eher grob. Sie lässt es geschehen. Es stört sie sehr, von diesen drei Schwächlingen so behandelt zu werden, doch sie will nicht wieder flüchten müssen. Zu oft schon hat sie alles verloren – dieses Mal möchte sie das nicht. Doch die Erregung in ihr steigt und steigt. Und auch ihr Hunger, wenn auch nicht riesig, ist durchaus spürbar.
Da kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Die Haustür geht auf und eine Frau tritt heraus.
"Kevin! Was machst du denn hier? Sollst du nicht hochkommen? Es gibt Essen, verdammte Scheiße!"
Ein genervtes Seufzen und der Junge zu ihrer Rechten steht auf. Die anderen beiden schauen sie noch einen Moment an, dann tritt der Junge vor ihr zurück. Und auch der Junge links neben ihr steht auf.
"Na, dann ein andermal", sagt der Junge vor ihr, seine Stimme klingt enttäuscht.
"Ja, ein anderes Mal", sagt sie ungerührt.
Er hebt die Augenbrauen und kann ihre Antwort nicht recht deuten. Er grinst dann aber und die beiden schlendern in Richtung Straßenbahn davon. Als sie eine Bahn kommen sehen, laufen sie sogar los. Eli bleibt auf der Bank sitzen und spürt, wie ihre Anspannung sich langsam wieder legt. Da sieht sie Malte aus der Straßenbahn steigen. Die beiden Jungen steigen in den hinteren Wagen ein; Malte kommt aus dem vorderen Wagen, sodass sie sich nicht begegnen. Langsam kommt er auf sie zu, in seinem Mantel der ihr sehr gut gefällt.
Malte sieht sie schon aus der Ferne und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er freut sich, sie hier zu sehen, und beschleunigt seinen Schritt.
Auch sie lächelt, als sie ihn kommen sieht. Sie atmet aber erst einmal durch – ganz spurlos ist die Begegnung mit den drei Kerlen nicht an ihr vorbeigegangen.

Kapitel 1 - Episode 6
von Alina am 23.07.2026 06:16
Langsam gehen sie die Treppen hinauf. Sein Blick wandert immer wieder zu ihr hinüber. Sie folgt ihm, als wäre es das Normalste der Welt. Sie kommen an seinem Stockwerk vorbei, aber sie gehen weiter. Sie schaut eher auf die Treppe vor sich, doch hin und wieder treffen sich ihre Blicke. In diesen Augenblicken sieht sie glücklich aus.
Je weiter sie gehen, desto mehr geraten die Vorkommnisse vor der Tür in Vergessenheit – und mit ihnen der Arbeitsstress und all die anderen Probleme, die Malte mit sich herumträgt.
Und irgendwann kommen sie ganz oben in ihrem Stockwerk an. Der Flur in seinem Stockwerk sieht deutlich gepflegter aus als der ganz oben unter dem Dach, fällt ihm auf – hier oben ist es wirklich scheußlich.
Das Licht funktioniert noch immer, als sie es betätigt. Sie zeigt auf eine Tür, vor der sie auch gestern schon stand. "Da wohne ich", sagt sie leise.
Er lächelt sie an. "Mhm...", wartet er auf eine weitere Reaktion von ihr.
Sie geht vor zu ihrer Tür, seine Hand hält sie noch immer fest. Dann bleibt sie stehen, schaut ihn an, und ein sanfter Druck ihrer Hand zeigt ihm, dass er loslassen kann.
Er lässt ihre Hand aus seiner gleiten. Dabei bleibt sein Blick für einen Moment auf sie fixiert. Er bemerkt gar nicht, dass er kurz gestarrt hat. Als es ihm auffällt, muss er kurz schmunzeln.
Sie sieht ihn schmunzeln und muss ebenfalls lächeln. "Danke, jetzt habe ich keine Angst mehr", sagt sie und fasst in ihre Tasche, aus der sie einen einzelnen Schlüssel hervorholt. Umständlich schließt sie das Schloss auf und öffnet die Tür, dann dreht sie sich noch einmal zu ihm um.
Er schaut ihr dabei zu. "Das freut mich zu hören", antwortet er und versucht, einen kurzen Blick in ihre Wohnung zu erhaschen. Die Tür steht halb offen; er sieht einen komplett kahlen Flur, dahinter scheint sich ein weiterer Raum zu erstrecken. Doch der liegt komplett im Dunkeln.
"Also dann... ich hab' für heute genug Aufregung gehabt", lacht er kurz auf.
Sie nickt leicht. "Einen schönen Abend wünsche ich Dir...", sagt sie. Dann huscht sie in ihre Wohnung und schließt die Tür leise.
Er schaut ihr noch einen Augenblick nach. "Ja, schönen Abend...", murmelt er vor der verschlossenen Türe, bevor er kehrtmacht und langsam zurück zu seiner eigenen Wohnung geht. Als er die Treppe betritt, dreht er sich noch einmal kurz zu ihrer Tür um und schaut sie nachdenklich an.
Dann geht er hinunter, schließt die Tür auf und sein allabendliches Ritual beginnt von Neuem. Der Mantel landet auf der Garderobe, die Schuhe werden nur abgestreift, die Laptop-Tasche abgestellt, dann geht er in die Küche.
Er setzt sich und sein Blick wandert zum Fenster. Er sieht sein eigenes Spiegelbild. Dahinter durchziehen im Mondlicht schimmernde Gardinen aus Regen die schwarze Kulisse der Nacht.
Seine Gedanken schweifen ab. Diese Frau... seine Gedanken drehen sich immer wieder um sie, während er gar nicht bemerkt wie die Zeit verstreicht. Was war das heute? Was hat das alles zu bedeuten? Und vor allem – was wollten diese Typen dort draußen von ihnen?
Über diesen Gedanken vergisst er beinahe, dass seine Kleidung noch klitschnass ist. Seine Hand betätigt das Radio, doch er hört kaum hin.
Nach einer Weile merkt er, dass er zu zittern beginnt – die kalten Klamotten holen ihn zurück in die Wirklichkeit. Er erhebt sich, zieht die Kleidung aus und wirft seine Sachen über die Heizung. Dann zieht er sich weite, bequeme Kleidung an und setzt sich für einen Moment auf das Bett.
Eigentlich hallt die Antwort längst in seinen Ohren, doch er will sie nicht hören. Das ist bestimmt nur der Stress, redet er sich ein.
Er steht auf und geht zum Kühlschrank – wie immer, wenn er ratlos ist und sich fragt, was er mit sich anfangen soll. Mit leerem Blick starrt er in das grosse Fach hinein. Dann schließt er die Tür wieder. Sein Blick schweift erneut nach draußen.
Hatte er das Radio eingeschaltet? Andererseits, wer sonst sollte es getan haben? Bei dem Gedanken muss er kurz schmunzeln. Es ist Zeit, denkt er sich und schlurft ins Schlafzimmer. Erschöpft lässt er sich auf die Matratze fallen.
Er hat das Gefühl auf der Stelle einzuschlafen zu können. Doch nach kurzer Zeit stellt er fest, dass eine Stimme in seinem Kopf ihn wachhält. Sie flüstert einen Namen...
Nach kurzem Wälzen im Bett wird ihm klar, dass er wohl die ganze Nacht trotz der Müdigkeit um jedes bisschen Schlaf kämpfen muss. Mit diesem Gedanken nickt er langsam weg.

Kapitel 1 - Episode 5
von Alina am 22.07.2026 10:23
Die Jugendlichen stehen etwa zwanzig Meter von den beiden entfernt. Auch sie zünden sich Zigaretten an, man kann sie glühen sehen. Die drei Jungs scheinen sie weiterhin zu beobachten.
Auch sie zieht an ihrer Zigarette und nickt leicht. Aber es sieht so aus, als hätte sie Mühe das zu verstehen. "Das kenne ich auch, glaube ich", sagt sie dann aber überraschend und schaut ihn dabei ernst an. Ihr Blick lässt nun auf Empathie schliessen. Malte hatte zwar keinen Spott erwartet, ein solches Mitgefühl aber auch nicht.
Er lächelt sie wieder an. "Möchtest Du mir nicht ein bisschen was von Dir erzählen? Ich kenne ja nicht mal deinen Namen..."
Malte umschließt ihre Hand mit seiner und nickt ihr zu. "Malte. Freut mich."
"Und danke nochmal, dass du mir gestern Abend geholfen hast. Das war wirklich sehr nett", sagt sie leise.
"Das ist doch kein Problem", sagt er lächelnd.
Ein leichtes Grinsen huscht über ihr Gesicht, während sie seinen Namen wiederholt. "Malte... das ist ein seltener Name, glaube ich", sagt sie im Anschluss. Drüben setzt sich einer der Jugendlichen in Bewegung und kommt auf die beiden zu.
Sie schaut ihn etwas erstaunt an. Doch dann werden beide abgelenkt, als der Junge sie erreicht. "Hey, warum steht ihr denn hier herum?", fragt er recht laut und seine Stimme klingt scharf, als würde ihm das nicht passen. Malte, der schon länger hier wohnt, scheint sofort zu erkennen dass der junge Mann selbst nicht hier wohnt. Eli sieht den Eindringling gar nicht an, sondern nur Malte und tritt einen halben Schritt zurück in den Schatten.
Malte schaut den jungen Kerl kurz verwundert an. Es ist offensichtlich, dass dieser wohl auf Ärger aus ist. Darauf war Malte nicht vorbereitet. "Nicht auch das noch...", murmelt er leise – so leise, dass es hoffentlich niemand hört.
Der Jugendliche konzentriert sich ganz auf ihn, er ignoriert Eli vollkommen und mustert ihn herausfordernd. "Na, was ist?", fragt er jetzt noch lauter. Seine Kumpels sollen anscheinend jedes Wort verstehen.
Eli berührt kurz Maltes Arm und flüstert etwas, dass er nicht verstehen kann. Der schaut kurz zu ihr hinüber, dann wieder zu dem jungen Kerl. Der hat ihn völlig auf dem falschen Fuß erwischt. "Nichts", sagt er knapp und versucht sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen.
Eli flüstert erneut, kaum verständlich – es klingt wie "Bitte nicht..."
"Verpisst euch hier", sagt der Kerl laut, sodass es auch die anderen hören können. Aus dem Hintergrund dringt Kichern zu ihnen herüber.
Malte schaut zu Eli herunter und nickt ihr kaum merklich zu. "Ist schon gut, wir sind weg", sagt er ein wenig resignierend. Er dreht sich zur Tür und geht mit ihr hinein.
Er bemerkt, dass sie die Augen geschlossen hatte. Erst als er sie am Arm fasst und mitnimmt, öffnet sie sie wieder und folgt ihm eilig ins Haus.
"Na also! Geht doch...", ruft der Kerl ihnen noch hinterher, während seine beiden Kumpels in die Hände klatschen. Das hören sie noch, bevor die Tür ins Schloss fällt.
Malte schaut zu ihr herüber. "Ist alles okay bei Dir?" Er wirkt besorgt und ignoriert die Idioten vor der Tür bewusst.
Sie nickt und schaut ihn ebenfalls besorgt an. "Ich hatte Angst...", sagt sie leise. Ihr Blick wandert zur Treppe. "Es ist wohl besser, wenn ich jetzt nach oben gehe..."
Sein Lächeln wirkt etwas gezwungen. "Das sind einfach Idioten... meistens harmlos." Er hält einen Moment inne. "Soll ich Dich noch hochbringen?"
Sie nickt, wie selbstverständlich. Als er losgehen will, bleibt sie einfach stehen und hält ihm ihre Hand hin.
Er schaut sie kurz fragend an, dann fällt sein Blick auf ihre Hand. Lächelnd umfasst er sie sanft. Sie lächelt ebenfalls kurz, als er ihre Hand nimmt. Und dann folgt sie ihm.

Kapitel 1 - Episode 4
von Alina am 21.07.2026 10:03

Sie schaut auf seine leere Zigarettenschachtel. Dann fasst sie in ihre Tasche und holt ein Metalletui heraus. Dieses hält sie ihm hin. Ihr Gesicht liegt im Schatten, er kann ihren Gesichtsausdruck in diesem Moment nicht sehen.
"Da, bitte", sagt sie. Das Etui scheint alt zu sein, doch darin befinden sich vor der Nässe geschützte, blütenweisse Zigaretten.
Er nickt ihr kurz zu, nimmt sich eine heraus, steckt sie sich in den Mund und murmelt "Danke." Dann zündet er sie an und die Flamme lässt sein Gesicht in einem unheimlichen Licht aufleuchten. Er zieht einmal an der Zigarette und schaut in den Regen.
"Womit verdienst Du Dir Deine Brötchen?", fragt er. Sie tritt einen halben Schritt vor und jetzt kann er die untere Hälfte ihres Gesichtes sehen.
Malte schaut sie nur perplex an. Er weiss in dem Moment nicht, was sie von ihm will und die Antwort hat er auch noch nicht verarbeitet. Er fühlt sich so, als würde sein Gehirn nur mit halber Geschwindigkeit arbeiten und das nicht erst seit eben.
Ihre Augen wirken unergründlich, zumindest in diesem Moment. Er versucht sich daran zu erinnern, wie er sie gestern wahrgenommen hat. Ihre Mimik aber verrät, dass sie ihn gerade um etwas bittet. Sie berührt seine Hand und fragt "Darf ich?"
"Natürlich", stammelt er, ohne zu wissen was es bedeutet. Und sie nimmt ihm sanft das Etui wieder ab, welches er mit klammen Fingern festgehalten hat. Dann öffnet sie es, nimmt selbst eine Zigarette heraus und steckt sie an. Den ersten Zug inhaliert sie tief und steckt dabei das Etui wieder zurück in ihre Tasche.
Malte lacht leise auf eine verstörte Art und Weise. "Oh Mann, ich... ich habe gar nicht bemerkt, dass ich es noch habe." Er kratzt sich verlegen am Hinterkopf und schaut einen Augenblick zu Boden. "Ich bin heute echt zu nichts mehr zu gebrauchen", sagt er dann etwas hilflos und hebt müde die Arme.
Sie schaut ihn mitleidig an, ohne jeden Spott. Sie versteht es nicht mal als ironischen Kommentar. "Ist Deine Arbeit denn so anstrengend?", fragt sie beinahe besorgt.
Er nickt kurz. "Im Moment sehr, ich komme einfach nicht hinterher. Jeden Tag Akten hier, Briefe da, Anrufer warten auch noch in der Leitung...", er hält einen Moment inne. "...und mein Chef ist ein Arschloch."
Sie hört neugierig zu. Ihn beschleicht das Gefühl dass es nicht unbedingt Interesse an ihm ist, sondern dass er ihr etwas Neues erzählt.
"Und dann muss ich mir jeden Tag anhören, dass er 'mich im Blick hat', wie er sagt. Er droht auch damit mich rauszuschmeissen, wenn ich wieder Mist baue. Ich habe es satt." Er lacht bitter und schweigt danach. Sein Blick wandert ins Leere, wieder hinaus in den Regen.
Die Haustür öffnet sich knarzend und drei Jugendliche treten hinaus in die nasse Dunkelheit. Sie scherzen und schubsen sich. Malte zuckt kurz zusammen, er war kurz in Gedanken versunken.
Alle drei tragen grosszügig geschnittene, legere Kleidung und haben Kapuzen über ihre Köpfe gezogen. Sie verstummen, als sie die beiden bemerken und drehen sich zu ihnen herum.
Kurz schauen sie sie missmutig an, so als würden die beiden ihr Revier verletzen. Letztendlich sagen sie aber nichts, drehen sich wieder um und gehen weiter.
Sie hat die drei Jungs nicht angesehen. Sie hat Malte angestarrt und fragt dann leise: "Warum sagt er so etwas?" Sie klingt so naiv, dass es Malte innerlich etwas amüsiert. Und sie tut so, als hätte es diese kurze Störung gar nicht gegeben. Das wiederum beeindruckt Malte etwas.
"Er spielt sich einfach gerne auf, glaube ich", antwortet er und kratzt sich am Kopf. Auch er hat versucht, die drei Burschen nicht zu beachten.
"...spielt sich gerne auf", wiederholt sie leise, so als würde es ihr helfen das besser zu verstehen. Malte schaut sie an und schmunzelt etwas.

Kapitel 1 - Episode 3
von Alina am 20.07.2026 10:36
29. Oktober 2013
Das Mondlicht taucht die Welt in ein kaltes Dunkelblau, als Malte in die Straßenbahn einsteigt. Der Nieselregen und der Wind machen die Kälte sehr durchdringend. Er ist froh, als er sich in der trockenen Bahn befindet.
Er schaut sich nach einem Sitzplatz um. Wie immer ist kein Platz frei – es sei denn, Malte möchte gegenüber einem alten Obdachlosen sitzen, der über zwei Sitze verteilt schläft. Die Feierabendverkehr geht bald zu Ende. Erst dann gibt es mehr Platz in den Bahnen.
Seufzend gibt er die Suche auf und hält sich an der Haltestange fest. Nach einigen Augenblicken setzt sich die Bahn ruckelnd in Bewegung. Draussen sausen die verzerrten Lichter der Laternen immer schneller vorbei. Malte fühlt eine starke Sehnsucht nach seiner Couch.
Die langen Schlangen der Bahnen bringen die Menschen zurück in die Stadtteile, die übersät sind mit riesigen und mittlerweile alten Plattenbauten. Hier wohnt auch Malte.
Aus den Lautsprechern quäkt eine weibliche Stimme vom Band. "Schillerstraße" und kurze Zeit später "Berliner Straße". Malte lächelt müde. Nur noch eine Station und er ist endlich zuhause. Die Menschen in der Bahn sind ebenso müde wie Malte und ihre Gesichter sind grau. Niemand interessiert sich für den jeweils anderen. Man hört kein einziges Gespräch.
Dann wird die Bahn kreischend langsamer und Malte stolpert ein kleines Stück nach vorn. Er kann sich festhalten und steigt aus, als sich die Türen öffnen. Aus dem Nieselregen ist ein Schauer geworden und die Laterne an seiner Haltestelle ist seit Monaten defekt. Es ist dunkel.
Malte rafft seinen Mantel enger und klappt den Kragen hoch, bevor er ihn ins Gesicht zieht. Dann geht er schnellen Schrittes los.
Er sieht das grelle, weisse Licht vor seinem Wohngebäude und beeilt sich, über die Straße zu kommen. Er behält den schnellen Schritt bei. Und er bemerkt, wie sich seine Schuhe langsam mit Wasser füllen und der Regen dafür sorgt, dass seine Hose durchnässt.
Seine Augen verengen sich noch weiter, als er auf der Bank vor dem Wohnblock eine zierliche Gestalt sitzen sieht. Das kommt nicht oft vor und erst recht nicht bei diesem Wetter.
Seine Schritte werden langsamer und seine Gedanken rasen schneller, warum jemand bei diesem ungemütlichen Regenschauer draussen sitzt. Aber dann hat er die Bank auch schon beinahe erreicht. Etwas Rotes glüht auf, es scheint eine Zigarette zu sein.
Malte erkennt die junge Frau von gestern und bleibt kurz stehen. Er begrüsst sie mit einem Lächeln und einem knappen Zunicken. Sie sitzt zurückgelehnt auf der Bank, sie trägt einen Pullover und hat sich eine Jacke übergestreift, die trotz des Regens offen ist. Sie hat eine Kapuze über den Kopf gezogen und das rote Haar quillt rechts und links heraus und hängt feucht herunter. Sie lächelt ebenfalls, als sie ihn erkennt.
Sie zieht an der Zigarette und hält sie schräg vor ihr Gesicht – um ihm zu zeigen, dass sie der Grund dafür ist. Dabei lächelt sie entschuldigend. Malte grinst und nickt kurz.
"Willst Du Dich nicht irgendwo unterstellen?" Langsam dringt das Wasser bereits durch seinen Mantel, der schon jetzt nass an ihm klebt.
Sie zuckt mit den Schultern und steht dann von der Bank auf. "Kommst du gerade von der Arbeit?", fragt sie und es klingt beiläufig.
Malte nickt kurz. "Ja", antwortet er ebenfalls einsilbig.
Die Kleidung scheint ebenfalls an ihr zu kleben, sie ist auch völlig durchnässt. Aber im Gegensatz zu Malte scheint es sie nicht zu stören.
Sie begleitet Malte bis zur Haustür wo ein kleines Vordach dafür sorgt, dass der Regen sie nicht weiter durchnässen kann. Dort bleiben beide stehen.
"Was arbeitest du denn?", fragt sie. Doch es klingt nicht neugierig, sondern abschätzend.
Malte kramt in seiner Tasche herum und holt eine angebrochene und etwas zerknitterte Packung Zigaretten heraus. Auch sie ist etwas aufgeweicht. Sein Blick verrät, dass er heute kein Glück zu haben scheint. Die letzte Zigarette ist nass und aufgerissen. Er nimmt sie heraus und wirft sie auf den nassen Asphalt vor der Tür.
"Ich arbeite an der Universität..." Er schweigt einen Moment und fügt dann hinzu: "...also ein Bürojob." Ein müdes Lächeln zeichnet sich auf seinem Gesicht ab.




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